Updates von Martin
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By Martin Wiesemborski
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Deutsches Tech Comback?

Apr 7, 2026

 

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Bei Digitalisierung in Deutschland denken viele noch immer an den Neuland-Kommentar von Merkel. Und das nicht ohne Grund. Aber: Kritisieren ist leicht. Wirklich entscheidend sind die, die anpacken und zeigen, dass es besser geht.

Warum das wichtig ist? Auch weil technologische Abhängigkeit lange als abstraktes Risiko abgetan wurde – nach dem Motto: „Mich betrifft das doch eh nicht.“

Ein aktuelles Beispiel zeigt aber, wie real dieses Risiko ist:
Der französische Richter Nicolas Guillou stellte am Internationalen Gerichtshof in Den Haag einen Strafbefehl gegen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu aus. Kurz darauf wurde er von Donald Trump sanktioniert – mit direkten Folgen: US-Unternehmen wie Visa und PayPal entzogen ihm die Möglichkeit, digital zu bezahlen, Microsoft sperrte sein Outlook-Konto.

Der Fall macht deutlich, wie stark wir in Europa von wenigen US-Anbietern abhängig ist. Dabei gibt es Alternativen es, doch ihre Verbreitung ist gering.

Zeit, das zu ändern.

Wir schauen uns heute ein paar positive Beispiele aus Deutschland an und hoffen, dass diese Liste fleißig wächst.


Magazine der Woche

Ob man Fan der Inhalte ist, darüber kann man sicherlich streiten. Was aber sowohl JACOBIN als auch das Surplus Magazin richtig gut machen, ist moderner, digitaler Journalismus.

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Ich bin ein Fan der Surplus Seite mit ihren visuellen Strukturelementen und einem Layout, das an eine Printausgabe erinnert (ich bin ebenfalls großer Fan der FT und sehe gewisse Parallelen).

 

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Auch das Jacobin Magazin hat eine herausragende UI zur Darstellung seiner Veröffentlichungen, mit kleinen 3D Effekten und wuchtigen, flächigen Layouts.

Was beide aber auch richtig gut machen: Mich für besagte Inhalte bezahlen lassen. Das geht über schnelle, unkomplizierte Checkout-Flows und ganz ohne das Gefühl von Abo-Falle.

In beiden Fällen handelt es sich um nischige, kleinere (linke) Publikationen, die sich nicht nur durch ihre Inhalte, sondern auch durch deren Aufbereitung hervorheben – und von denen sich große deutsche Medienhäuser gerne etwas abschauen können.

 

Person der Woche

Martin Jordan hat eine gigantische Aufgabe vor sich: die Digitalisierung der deutschen Verwaltung voranzubringen. Das klingt erstmal sehr trocken und bürokratisch. Ist es auch! Aber nicht nur. Klar, erstmal müssen die Grundlagen geschaffen werden: Standardardisieren (prozessual, technisch, visuell, ...) und die Prinzipien für gutes Service Design einführen (inspiriert von den Vorreitern aus Großbritannien, gov.uk).

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Die Ergebnisse können sich teilweise sehen lassen: Da gibt es zum einen eine DIN, DIN SPEC 66336 um genau zu sein (Klar, wir sind ja immer noch in Deutschland).

Aber es gibt auch die daraus abgeleiteten offizielle Servicestandards.

Diese bilden für alle Verwaltungen und Behörden eine Anleitung und Richtlinie für gutes Service Design – von Content Design über Sprache und Usability bis hin zu technischen Aspekten. Die Inhalte sind allerdings nicht nur für Behörden interessant, sondern für alle im Bereich Webdesign, die Wert auf inklusives und nutzerfreundliches Design legen.

Neben den Servicestandards wurde aber auch der Deutschlandstack eingeführt, die "die nationale souveräne Technologie-Plattform für die Digitalvorhaben in Deutschland" und aus Design Sicht das Dachmarken Konzept und Design System KERN.

Klar, sowas ist nur der Anfang und die Mammutaufgabe wird es jetzt sein, das alles konsequent auszurollen und in den Behörden und Prozessen zu verankern. Aber das Anfang ist gemacht 💪

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Uff, jetzt schon Kopfschmerzen bei dem Chart...

 

Design Studio der Woche

Bislang habe ich viel über Software geschrieben. Aber auch im Bereich Hardware gibt es Highlights – wie zum Beispiel das Berliner Industrial-Design-Studio PONG.

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Auf die bin ich gestoßen, als ich das Kindertelefon NODI Flip entdeckt habe und gesehen habe, dass das Produktdesign von PONG stammt. Aber nicht nur kleine Start-ups gehören zu ihren Kunden, sondern auch Industriegiganten wie Viessmann sowie ein weiteres europäisches Highlight: Tado.

Von Zahnbürsten, über Wassersprudler, digitalen Tools und sogar Traktoren gibt es scheinbar nichts, was PONG nicht designen kann.

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Honorable Mentions

  • Bei der Schwarz Gruppe denkt man meist an LIDL (und ein dubioses Geflecht aus Stiftungen). Aber mit Schwarz Digits und STACKIT wurde u.a. eine europäische Alternative zu Hyperscalern wie AWS und Google Cloud geschaffen. Das sieht leider alles bisschen cringe aus und ist in Größe und technischer Innovation auch noch nicht ganz vorne mit dabei. Und auch alles was der AI "Ableger" Aleph Alpha (noch dubioseres Geflecht!) bislang so erreicht hat ist trotz hohem Millionen-Invest (angeblich 500 Millionen, aber sehr fraglich) lächerlich. Aber immerhin.

  • Black Forest Lab ist hingegen eine sehr erfolgreiche AI Firma aus Deutschland. 2024 gegründet, bieten sie mit FLUX eines der besten Image Generation Modelle an und lizenzieren es bereits an Facebook, Netflix und Adobe. Die Gründer kommen aus dem akademischen Umfeld der LMU München und der Universität Heidelberg und haben vorher u.a. an Stable Diffusion gearbeitet. Ob sie sich mittel- und langfristig gegen Google (u.a. mit Nano Banana), OpenAI oder Midjourney behaupten können, wird sich zeigen.

  • Dänemark testet fleißig, Schleswig Holstein hat auch schon vorgelegt und jetzt soll auch grundsätzlich auf Bundesebene Open Source eingesetzt werden. Yay!
    Denn: „Public Money, Public Code“ hat sich bewährt, schafft Sicherheit und ist obendrein noch günstiger. Gut, dass es jetzt § 16a des E-Government-Gesetzes gibt.

  • Auf der anderen Seite gibt es aber auch die negativen Honorable Mentions: Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Diese Bundesländer nutzen bereits Software (meist Gotham) von palantir und hätten damit vermutlich keiner schlimmeren Firma (und Personen wie Peter Thiel 1, 2, 3 und Alex Karp) Zugang zu höchst sensiblen Daten deutscher Bürger*innen geben können. Zum Glück konnte ein Einsatz auf Bundesebene verhindert werden.


Design und Tech ist manchmal auch politisch.
Nächste Ausgabe wirds wieder leichter, versprochen
✌️

-Martin

Updates von Martin
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Deutsches Tech Comback?

Apr 7, 2026

 

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Bei Digitalisierung in Deutschland denken viele noch immer an den Neuland-Kommentar von Merkel. Und das nicht ohne Grund. Aber: Kritisieren ist leicht. Wirklich entscheidend sind die, die anpacken und zeigen, dass es besser geht.

Warum das wichtig ist? Auch weil technologische Abhängigkeit lange als abstraktes Risiko abgetan wurde – nach dem Motto: „Mich betrifft das doch eh nicht.“

Ein aktuelles Beispiel zeigt aber, wie real dieses Risiko ist:
Der französische Richter Nicolas Guillou stellte am Internationalen Gerichtshof in Den Haag einen Strafbefehl gegen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu aus. Kurz darauf wurde er von Donald Trump sanktioniert – mit direkten Folgen: US-Unternehmen wie Visa und PayPal entzogen ihm die Möglichkeit, digital zu bezahlen, Microsoft sperrte sein Outlook-Konto.

Der Fall macht deutlich, wie stark wir in Europa von wenigen US-Anbietern abhängig ist. Dabei gibt es Alternativen es, doch ihre Verbreitung ist gering.

Zeit, das zu ändern.

Wir schauen uns heute ein paar positive Beispiele aus Deutschland an und hoffen, dass diese Liste fleißig wächst.


Magazine der Woche

Ob man Fan der Inhalte ist, darüber kann man sicherlich streiten. Was aber sowohl JACOBIN als auch das Surplus Magazin richtig gut machen, ist moderner, digitaler Journalismus.

Image

Ich bin ein Fan der Surplus Seite mit ihren visuellen Strukturelementen und einem Layout, das an eine Printausgabe erinnert (ich bin ebenfalls großer Fan der FT und sehe gewisse Parallelen).

 

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Auch das Jacobin Magazin hat eine herausragende UI zur Darstellung seiner Veröffentlichungen, mit kleinen 3D Effekten und wuchtigen, flächigen Layouts.

Was beide aber auch richtig gut machen: Mich für besagte Inhalte bezahlen lassen. Das geht über schnelle, unkomplizierte Checkout-Flows und ganz ohne das Gefühl von Abo-Falle.

In beiden Fällen handelt es sich um nischige, kleinere (linke) Publikationen, die sich nicht nur durch ihre Inhalte, sondern auch durch deren Aufbereitung hervorheben – und von denen sich große deutsche Medienhäuser gerne etwas abschauen können.

 

Person der Woche

Martin Jordan hat eine gigantische Aufgabe vor sich: die Digitalisierung der deutschen Verwaltung voranzubringen. Das klingt erstmal sehr trocken und bürokratisch. Ist es auch! Aber nicht nur. Klar, erstmal müssen die Grundlagen geschaffen werden: Standardardisieren (prozessual, technisch, visuell, ...) und die Prinzipien für gutes Service Design einführen (inspiriert von den Vorreitern aus Großbritannien, gov.uk).

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Die Ergebnisse können sich teilweise sehen lassen: Da gibt es zum einen eine DIN, DIN SPEC 66336 um genau zu sein (Klar, wir sind ja immer noch in Deutschland).

Aber es gibt auch die daraus abgeleiteten offizielle Servicestandards.

Diese bilden für alle Verwaltungen und Behörden eine Anleitung und Richtlinie für gutes Service Design – von Content Design über Sprache und Usability bis hin zu technischen Aspekten. Die Inhalte sind allerdings nicht nur für Behörden interessant, sondern für alle im Bereich Webdesign, die Wert auf inklusives und nutzerfreundliches Design legen.

Neben den Servicestandards wurde aber auch der Deutschlandstack eingeführt, die "die nationale souveräne Technologie-Plattform für die Digitalvorhaben in Deutschland" und aus Design Sicht das Dachmarken Konzept und Design System KERN.

Klar, sowas ist nur der Anfang und die Mammutaufgabe wird es jetzt sein, das alles konsequent auszurollen und in den Behörden und Prozessen zu verankern. Aber das Anfang ist gemacht 💪

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Uff, jetzt schon Kopfschmerzen bei dem Chart...

 

Design Studio der Woche

Bislang habe ich viel über Software geschrieben. Aber auch im Bereich Hardware gibt es Highlights – wie zum Beispiel das Berliner Industrial-Design-Studio PONG.

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Auf die bin ich gestoßen, als ich das Kindertelefon NODI Flip entdeckt habe und gesehen habe, dass das Produktdesign von PONG stammt. Aber nicht nur kleine Start-ups gehören zu ihren Kunden, sondern auch Industriegiganten wie Viessmann sowie ein weiteres europäisches Highlight: Tado.

Von Zahnbürsten, über Wassersprudler, digitalen Tools und sogar Traktoren gibt es scheinbar nichts, was PONG nicht designen kann.

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Honorable Mentions

  • Bei der Schwarz Gruppe denkt man meist an LIDL (und ein dubioses Geflecht aus Stiftungen). Aber mit Schwarz Digits und STACKIT wurde u.a. eine europäische Alternative zu Hyperscalern wie AWS und Google Cloud geschaffen. Das sieht leider alles bisschen cringe aus und ist in Größe und technischer Innovation auch noch nicht ganz vorne mit dabei. Und auch alles was der AI "Ableger" Aleph Alpha (noch dubioseres Geflecht!) bislang so erreicht hat ist trotz hohem Millionen-Invest (angeblich 500 Millionen, aber sehr fraglich) lächerlich. Aber immerhin.

  • Black Forest Lab ist hingegen eine sehr erfolgreiche AI Firma aus Deutschland. 2024 gegründet, bieten sie mit FLUX eines der besten Image Generation Modelle an und lizenzieren es bereits an Facebook, Netflix und Adobe. Die Gründer kommen aus dem akademischen Umfeld der LMU München und der Universität Heidelberg und haben vorher u.a. an Stable Diffusion gearbeitet. Ob sie sich mittel- und langfristig gegen Google (u.a. mit Nano Banana), OpenAI oder Midjourney behaupten können, wird sich zeigen.

  • Dänemark testet fleißig, Schleswig Holstein hat auch schon vorgelegt und jetzt soll auch grundsätzlich auf Bundesebene Open Source eingesetzt werden. Yay!
    Denn: „Public Money, Public Code“ hat sich bewährt, schafft Sicherheit und ist obendrein noch günstiger. Gut, dass es jetzt § 16a des E-Government-Gesetzes gibt.

  • Auf der anderen Seite gibt es aber auch die negativen Honorable Mentions: Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Diese Bundesländer nutzen bereits Software (meist Gotham) von palantir und hätten damit vermutlich keiner schlimmeren Firma (und Personen wie Peter Thiel 1, 2, 3 und Alex Karp) Zugang zu höchst sensiblen Daten deutscher Bürger*innen geben können. Zum Glück konnte ein Einsatz auf Bundesebene verhindert werden.


Design und Tech ist manchmal auch politisch.
Nächste Ausgabe wirds wieder leichter, versprochen
✌️

-Martin