Diese Woche geht es mal nur um eine Thema und das ist das OMR Festival hier in Hamburg. Mich interessiert sehr, was ihr dazu denkt. Geht ihr hin? Wart ihr schon da? Könnt ihr meine Gedanken (teilweise) nachvollziehen oder haltet ihr sie für Quatsch? Dieser Newsletter soll kein Monolog sein, sondern ein Austausch. Deshalb freue ich mich grundsätzlich aber heute besonders über euer Feedback, euern Input und eure Gedanken. Martin Der Blick von außenDiese Woche ist wieder OMR in Hamburg und ich bin wie seit Jahren nicht dabei. Das ist vielleicht wichtig vorweg, weil ich diesen Text mit etwas Abstand schreibe. Ich war zuletzt 2019 vor Ort und das macht meine Takes hier natürlich angreifbar. Aber vielleicht ist diese Distanz auch wertvoll. Auf LinkedIn liest man ja rund um die OMR jedes Jahr sehr viel Begeisterung. Da geht es um großartige Begegnungen, inspirierende Vorträge, wertvollen Austausch und natürlich um die besondere Energie dieses Festivals. In persönlichen Gesprächen in meinem engeren Umfeld klingt das oft deutlich nüchterner. Viele gehen nicht mehr hin. Viele haben kein Interesse mehr. Und es wirkt auf mich, als gäbe es da einen ziemlich großen Mismatch zwischen dem öffentlichen Bild und dem, was manche Menschen im direkten Gespräch sagen. Natürlich sind das teilweise unterschiedliche Gruppen und ich will daraus keine allgemeingültige Wahrheit ableiten. Mein Umfeld besteht inzwischen z.B. aus recht vielen Freelancer*innen. Wenn ein Unternehmen das Ticket bezahlt, ist die Bewertung eine andere, als wenn man selhst mehrere hundert Euro investieren muss. Dann stellt sich sehr konkret die Frage, ob sich diese Kosten wirklich lohnen. Nicht nur für zwei gute Abende, ein paar Partys und das Gefühl, dabei gewesen zu sein, sondern vor allem für die Inhalte, die Gespräche und den tatsächlichen Mehrwert. Vielleicht sind die positiven LinkedIn Posts deshalb auch nicht immer ganz wahrheitsgemäß (Schocker!). Denn wer öffentlich sehr positiv über das Festival spricht, bestätigt damit auch, dass sich das Ticket gelohnt hat. Wenn nicht, steht der nächste Besuch vielleicht auf der Kippe. Würde diesen Mismatch auf jeden Fall ein stückweit erklären. In meinem Umfeld jedenfalls führt dieser nüchternere Blick immer häufiger dazu, dass man - wie ich ja auch -nicht mehr hingeht. Vielleicht fällt mir gerade deshalb der Kontrast zu meiner ersten OMR so stark auf...
Auflösung und Bildqualität zeigen: Das war schon ein bisschen her (2015) Denn ich war 2015 bei einer der ersten Ausgaben dabei. Damals fand das Ganze noch im König der Löwen "Zelt" statt und war mit (geschätzt) ein paar hundert Teilnehmenden deutlich kleiner und in jeder Hinsicht fokussierter als heute. Die Themen waren klar technikgetrieben: Es ging viel um AdTech, um SEO und andere nerdige Themen. Und entsprechend war auch das Publikum geprägt von Menschen, die tief im Thema waren und weniger an Inszenierung interessiert wirkten. Ich erinnere mich besonders an einen Moment, als Deichkind als Überraschungs-Act auf die Bühne kam und es erstaunlich schwer hatte, das Publikum zum Mitmachen zu bewegen, weil viele schlicht nicht in dieser Festivallogik unterwegs waren. Heute wirkt genau das fast wie aus einer anderen Zeit.
Überschaubare Publikumsgröße
Gary Vaynerchuk, einer der Headliner 2015 Vom Fachkongress zum FestivalOMR hat sich längst von einer Fachkonferenz zu einem Event entwickelt, das stark von Bühne, Inszenierung und Popkultur lebt und genau dafür auch besucht wird. Fast 70.000 Menschen kommen inzwischen nach Hamburg, was die Veranstaltung zu einem der größten Digital und Marketingevents Europas macht. Das ist eine enorme Leistung. Philipp Westermeyer und sein Team haben aus einem relativ kleinen Branchentreffen ein Festival gebaut, das weit über die ursprüngliche Marketing und Tech Bubble hinausstrahlt. Und natürlich hat diese Entwicklung auch viel Positives. OMR schafft Sichtbarkeit für Themen, Unternehmen und Menschen, bringt sehr unterschiedliche Teile der Branche zusammen und hat für Hamburg eine Relevanz entwickelt, die man nicht kleinreden sollte. Um so etwas aufzubauen, braucht es Veränderung, mehr Reichweite, mehr Pop, mehr Zugänglichkeit und eben auch Headline Acts, die Aufmerksamkeit erzeugen und Menschen anziehen. Diesen Teil der Entwicklung kann ich gut nachvollziehen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Die Entwicklung, die mir fehltWas mir jedoch fehlt, ist eine andere Form von Weiterentwicklung. Ich vermisse eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen selbst und mit denen, die da so auf der Bühne stehen. Gerade wenn ein Event diese Größe und Relevanz erreicht, entsteht auch eine Verantwortung, nicht nur Bühne zu bieten, sondern kritisch einzuordnen, zu hinterfragen und Diskussionen zu führen, die über das Offensichtliche hinausgehen. Vielleicht ist das mein eigentlicher Punkt: OMR ist groß geworden. Jetzt müsste aus meiner Sicht auch die Debatte größer werden. Entzauberung des Silicon Valley MythosVielleicht hängt diese Erwartung auch mit einer persönlichen Veränderung zusammen, die ich bei mir selbst in den letzten Jahren beobachtet habe: Die Entzauberung des Mythos Silicon Valley. Was früher groß und erstrebenswert wirkte, mit schnell wachsenden Startups, radikaler Disruption, neuen Geschäftsmodellen und dem Anspruch, die Welt zu verbessern, sieht heute deutlich nüchterner aus. Und natürlich war daran nicht alles falsch. Viele digitale Produkte haben echte Probleme gelöst. Sie haben Dinge einfacher, zugänglicher und schneller gemacht. Sie haben neue Märkte geöffnet und neue Möglichkeiten geschaffen. Aber rückblickend zeigt sich für mich auch eine andere Seite: Viele dieser Erfolgsgeschichten wurden nicht nur durch bessere Ideen, bessere Technologie oder bessere Nutzererlebnisse ermöglicht, sondern auch durch enormes Venture Capital, Dark Patterns und Ausbeutung. Solange Kapital verfügbar war, konnten Preise künstlich niedrig gehalten, Märkte aggressiv besetzt und Wachstum um jeden Preis erkauft werden. Doch in dem Moment, in dem Profitabilität eingefordert wurde, ist bei vielen Modellen ein Teil der Magie verschwunden. Beispiel UberEin gutes Beispiel dafür ist Uber. Uber galt lange als der Disruptor schlechthin, so prägend, dass ganze Kategorien von Startups als Uber for XYZ beschrieben wurden. Am Anfang war das Angebot tatsächlich radikal einfach und oft auch radikal günstig. Uber hat Mobilität verändert, die Buchung eines Fahrzeugs sehr bequem gemacht und die Erwartung an urbane Mobilität verschoben. Aber der günstige Preis war eben nicht einfach das Ergebnis eines besseren Modells, sondern zu einem großen Teil das Ergebnis massiver Subvention durch Venture Capital. Und der Ausbeutung der Fahrer*innen (Stichwort Gig-Economy). Als die Investoren dann langsmal mal ihren Return of Investment sehen wollten, stiegen die Preise und heute ist der Unterschied zum klassischen Taxi oft kaum noch vorhanden. Was bleibt, ist vor allem eine gut funktionierende App und selbst die ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die große Disruption wirkt dadurch rückblickend kleiner. Nicht bedeutungslos, aber weniger magisch. Beispiel Facebook und InstagramÄhnlich ernüchternd ist für mich der Blick auf Facebook und Instagram: Auch hier will ich nicht so tun, als hätte es keine positive Effekte gegeben. Facebook hat Menschen verbunden, Instagram hat Kreativen, kleinen Marken und Medien neue Reichweiten ermöglicht und viele haben dort Communitys aufgebaut, Kunden gewonnen oder kulturelle Sichtbarkeit bekommen. Trotzdem überwiegt für mich heute die Ernüchterung. Was einmal mit dem Versprechen begann, Menschen zu verbinden und soziale Nähe digital zu ermöglichen, hat sich über die Jahre zu einem hochgradig monetarisierten Aufmerksamkeitssystem entwickelt. Instagram ist heute eine der effizientesten Werbeplattformen überhaupt und damit vor allem eine Gelddruckmaschine für den Konzern Meta. Skandale wie Cambridge Analytica haben gezeigt, wie fragil der Umgang mit Nutzerdaten in diesen Plattformen ist und wie groß die gesellschaftlichen Implikationen sein können. Dazu kommen massive Veränderungen im Nutzungsverhalten, die eng mit den Designlogiken dieser Plattformen verbunden sind: Endlose Feeds, Doomscrolling, Smartphone Sucht und Cybermobbing lassen sich natürlich nicht allein Facebook, Instagram oder Meta zuschreiben. Aber diese Plattformen haben Mechaniken geprägt und perfektioniert, die unseren Medienkonsum massiv verändert haben. Am Ende bleibt für mich die Frage, ob der gesellschaftliche Gesamteffekt dieser Plattformen wirklich positiv ist. Und da haben wir noch nicht mal darüber gesprochen, wie Zuckerberg & Co Donald Trump und MAGA unterstützen... Beispiel SpotifyEndlich konnte man legal Musik streamen, ohne sie kaufen zu müssen. Was ein Durchbruch. Und ohne Frage: Spotify hat die Musikbranche revolutioniert und den Zugang zu Musik radikal vereinfacht. Aber nach Jahren der Euphorie, sehe ich Spotify zunehmend kritisch (obwohl es leider immer noch mein Streaming Service der Wahl ist): Lächerlich niedrige Einnahmen der Musiker*innen pro Stream (sehr empfehlenswert das kürzlich veröffentliche Video von LGoony zu dem Thema) bei gleichzeitig immer höheren Abo-Preisen, unzureichende Kontrolle von AI generierter Songs, massive Manipulation von "Charts" durch Bots,... Warum das für die OMR relevant istGenau deshalb fällt es mir schwer, viele dieser Unternehmen heute noch einfach als inspirierende Bühnenpartner oder Zukunftserzähler zu sehen. Natürlich gehören große Tech Unternehmen zu einer Veranstaltung wie der OMR. Sie prägen die Branche, die Geschäftsmodelle, das Marketing und unseren digitalen Alltag. Aber gerade deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht, ihnen nur große Bühnen zu geben. Es braucht mehr Einordnung, mehr Widerspruch und mehr kritische Perspektiven. Nicht aus Prinzip dagegen und nicht als moralische Pose, sondern weil diese Unternehmen zu wichtig geworden sind, um sie nur durch ihre eigene PR Brille zu betrachten. Das gleiche gilt übrigens auch für die zahlreichen Influencer*innen, denen OMR in den letzten Jahren eine Bühne bot (wie einem Knossi, s. Fanblast), ganz gleich ob dieser "Influence" jetzt positiv oder doch negativ war. Hauptsache Growth, Kooperationen, Geld. AI als nächste große Hype ThemaUnd natürlich ist AI jetzt die nächste große Welle, die geritten wird und das Programm dominiert. Auch hier sehe ich wieder diese bekannte Dynamik aus Euphorie, großen Versprechen und sehr viel Zukunftssound. Das ist nicht per se falsch. AI verändert bereits jetzt Arbeitsprozesse, Geschäftsmodelle und kreative Arbeit. Spoiler: Ich nutze es ja teilweise selbst, wie ihr am Ende dieses Textes sehen werdet. Aber gerade weil diese Technologie so relevant ist, braucht sie nicht weniger Kritik, sondern mehr. Was passiert mit Arbeit? Was passiert mit Urheberrechten? Was passiert mit Wissen, Macht und Abhängigkeiten? Und was passiert, wenn ein paar wenige Unternehmen die Infrastruktur für sehr viele andere stellen? Das sind keine Randfragen, sondern zentrale Fragen.
Mehr Reibung, bitte
Beyond the AI hype: Wo wir wirklich stehen und was uns erwartet (2025) Umso interessanter finde ich, dass die Vorträge von Philipp Klöckner in den letzten Jahren so viel Resonanz bekommen haben. Ich selber bin großer Fan seines Doppelgänger Podcasts und auch seiner Vorträge: Keine reine Hype-Verstärkung, aber auch keine Ablehnung aus Reflex, sondern eine ausgewogene und manchmal unbequeme Auseinandersetzung mit den Entwicklungen der Branche. Genau solche Stimmen braucht es aus meiner Sicht mehr. Als fester Bestandteil des Programms, nicht als Gegenpol. Wenn OMR langfristig mehr sein will als ein sehr gut produziertes PR- und Bühnenformat für große Technologiekonzerne, braucht es genau diese Haltung. Mehr Einordnung, mehr Reibung und eine klarere eigene Perspektive. Gerne weiterhin Party und Festival aber eben auch inhaltliche Tiefe und kritische Auseinandersetzung . TransparenzDieser Beitrag ist diese Woche als kleiner Test mit Unterstützung von ChatGPT entstanden. Ich wollte mal ausprobieren, wie gut das funktioniert. Ich habe meine Gedanken eingesprochen, transkribieren lassen und anschließend gemeinsam mit dem Modell strukturiert, redaktionell aufgearbeitet und sprachlich verdichtet. An sich alles ganz gut, besonders die Transkription. Ich schreibe diesen Newsletter ja aber auch, um an meinen Schreibskills zu arbeiten - das fällt ein Stück weit weg. [ChatGPT schlägt mir jetzt noch diesen Absatz vor:] Vielleicht passt genau das ganz gut zu diesem Text: Ich kritisiere den Hype um neue Technologien und nutze gleichzeitig selbst eine davon, um diesen Newsletter zu schreiben. Auch das ist ambivalent. Und wahrscheinlich ist genau diese Ambivalenz der Punkt. [WOW!] Naja, was denkt ihr zur OMR? Seht ihr das ähnlich wie ich? Unterschätze ich, wie viel kritische Auseinandersetzung auf der OMR inzwischen schon stattfindet? Ich freue mich sehr über eure Rückmeldungen! Martin |

Diese Woche geht es mal nur um eine Thema und das ist das OMR Festival hier in Hamburg. Mich interessiert sehr, was ihr dazu denkt. Geht ihr hin? Wart ihr schon da? Könnt ihr meine Gedanken (teilweise) nachvollziehen oder haltet ihr sie für Quatsch? Dieser Newsletter soll kein Monolog sein, sondern ein Austausch. Deshalb freue ich mich grundsätzlich aber heute besonders über euer Feedback, euern Input und eure Gedanken. Martin Der Blick von außenDiese Woche ist wieder OMR in Hamburg und ich bin wie seit Jahren nicht dabei. Das ist vielleicht wichtig vorweg, weil ich diesen Text mit etwas Abstand schreibe. Ich war zuletzt 2019 vor Ort und das macht meine Takes hier natürlich angreifbar. Aber vielleicht ist diese Distanz auch wertvoll. Auf LinkedIn liest man ja rund um die OMR jedes Jahr sehr viel Begeisterung. Da geht es um großartige Begegnungen, inspirierende Vorträge, wertvollen Austausch und natürlich um die besondere Energie dieses Festivals. In persönlichen Gesprächen in meinem engeren Umfeld klingt das oft deutlich nüchterner. Viele gehen nicht mehr hin. Viele haben kein Interesse mehr. Und es wirkt auf mich, als gäbe es da einen ziemlich großen Mismatch zwischen dem öffentlichen Bild und dem, was manche Menschen im direkten Gespräch sagen. Natürlich sind das teilweise unterschiedliche Gruppen und ich will daraus keine allgemeingültige Wahrheit ableiten. Mein Umfeld besteht inzwischen z.B. aus recht vielen Freelancer*innen. Wenn ein Unternehmen das Ticket bezahlt, ist die Bewertung eine andere, als wenn man selhst mehrere hundert Euro investieren muss. Dann stellt sich sehr konkret die Frage, ob sich diese Kosten wirklich lohnen. Nicht nur für zwei gute Abende, ein paar Partys und das Gefühl, dabei gewesen zu sein, sondern vor allem für die Inhalte, die Gespräche und den tatsächlichen Mehrwert. Vielleicht sind die positiven LinkedIn Posts deshalb auch nicht immer ganz wahrheitsgemäß (Schocker!). Denn wer öffentlich sehr positiv über das Festival spricht, bestätigt damit auch, dass sich das Ticket gelohnt hat. Wenn nicht, steht der nächste Besuch vielleicht auf der Kippe. Würde diesen Mismatch auf jeden Fall ein stückweit erklären. In meinem Umfeld jedenfalls führt dieser nüchternere Blick immer häufiger dazu, dass man - wie ich ja auch -nicht mehr hingeht. Vielleicht fällt mir gerade deshalb der Kontrast zu meiner ersten OMR so stark auf...
Auflösung und Bildqualität zeigen: Das war schon ein bisschen her (2015) Denn ich war 2015 bei einer der ersten Ausgaben dabei. Damals fand das Ganze noch im König der Löwen "Zelt" statt und war mit (geschätzt) ein paar hundert Teilnehmenden deutlich kleiner und in jeder Hinsicht fokussierter als heute. Die Themen waren klar technikgetrieben: Es ging viel um AdTech, um SEO und andere nerdige Themen. Und entsprechend war auch das Publikum geprägt von Menschen, die tief im Thema waren und weniger an Inszenierung interessiert wirkten. Ich erinnere mich besonders an einen Moment, als Deichkind als Überraschungs-Act auf die Bühne kam und es erstaunlich schwer hatte, das Publikum zum Mitmachen zu bewegen, weil viele schlicht nicht in dieser Festivallogik unterwegs waren. Heute wirkt genau das fast wie aus einer anderen Zeit.
Überschaubare Publikumsgröße
Gary Vaynerchuk, einer der Headliner 2015 Vom Fachkongress zum FestivalOMR hat sich längst von einer Fachkonferenz zu einem Event entwickelt, das stark von Bühne, Inszenierung und Popkultur lebt und genau dafür auch besucht wird. Fast 70.000 Menschen kommen inzwischen nach Hamburg, was die Veranstaltung zu einem der größten Digital und Marketingevents Europas macht. Das ist eine enorme Leistung. Philipp Westermeyer und sein Team haben aus einem relativ kleinen Branchentreffen ein Festival gebaut, das weit über die ursprüngliche Marketing und Tech Bubble hinausstrahlt. Und natürlich hat diese Entwicklung auch viel Positives. OMR schafft Sichtbarkeit für Themen, Unternehmen und Menschen, bringt sehr unterschiedliche Teile der Branche zusammen und hat für Hamburg eine Relevanz entwickelt, die man nicht kleinreden sollte. Um so etwas aufzubauen, braucht es Veränderung, mehr Reichweite, mehr Pop, mehr Zugänglichkeit und eben auch Headline Acts, die Aufmerksamkeit erzeugen und Menschen anziehen. Diesen Teil der Entwicklung kann ich gut nachvollziehen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Die Entwicklung, die mir fehltWas mir jedoch fehlt, ist eine andere Form von Weiterentwicklung. Ich vermisse eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen selbst und mit denen, die da so auf der Bühne stehen. Gerade wenn ein Event diese Größe und Relevanz erreicht, entsteht auch eine Verantwortung, nicht nur Bühne zu bieten, sondern kritisch einzuordnen, zu hinterfragen und Diskussionen zu führen, die über das Offensichtliche hinausgehen. Vielleicht ist das mein eigentlicher Punkt: OMR ist groß geworden. Jetzt müsste aus meiner Sicht auch die Debatte größer werden. Entzauberung des Silicon Valley MythosVielleicht hängt diese Erwartung auch mit einer persönlichen Veränderung zusammen, die ich bei mir selbst in den letzten Jahren beobachtet habe: Die Entzauberung des Mythos Silicon Valley. Was früher groß und erstrebenswert wirkte, mit schnell wachsenden Startups, radikaler Disruption, neuen Geschäftsmodellen und dem Anspruch, die Welt zu verbessern, sieht heute deutlich nüchterner aus. Und natürlich war daran nicht alles falsch. Viele digitale Produkte haben echte Probleme gelöst. Sie haben Dinge einfacher, zugänglicher und schneller gemacht. Sie haben neue Märkte geöffnet und neue Möglichkeiten geschaffen. Aber rückblickend zeigt sich für mich auch eine andere Seite: Viele dieser Erfolgsgeschichten wurden nicht nur durch bessere Ideen, bessere Technologie oder bessere Nutzererlebnisse ermöglicht, sondern auch durch enormes Venture Capital, Dark Patterns und Ausbeutung. Solange Kapital verfügbar war, konnten Preise künstlich niedrig gehalten, Märkte aggressiv besetzt und Wachstum um jeden Preis erkauft werden. Doch in dem Moment, in dem Profitabilität eingefordert wurde, ist bei vielen Modellen ein Teil der Magie verschwunden. Beispiel UberEin gutes Beispiel dafür ist Uber. Uber galt lange als der Disruptor schlechthin, so prägend, dass ganze Kategorien von Startups als Uber for XYZ beschrieben wurden. Am Anfang war das Angebot tatsächlich radikal einfach und oft auch radikal günstig. Uber hat Mobilität verändert, die Buchung eines Fahrzeugs sehr bequem gemacht und die Erwartung an urbane Mobilität verschoben. Aber der günstige Preis war eben nicht einfach das Ergebnis eines besseren Modells, sondern zu einem großen Teil das Ergebnis massiver Subvention durch Venture Capital. Und der Ausbeutung der Fahrer*innen (Stichwort Gig-Economy). Als die Investoren dann langsmal mal ihren Return of Investment sehen wollten, stiegen die Preise und heute ist der Unterschied zum klassischen Taxi oft kaum noch vorhanden. Was bleibt, ist vor allem eine gut funktionierende App und selbst die ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die große Disruption wirkt dadurch rückblickend kleiner. Nicht bedeutungslos, aber weniger magisch. Beispiel Facebook und InstagramÄhnlich ernüchternd ist für mich der Blick auf Facebook und Instagram: Auch hier will ich nicht so tun, als hätte es keine positive Effekte gegeben. Facebook hat Menschen verbunden, Instagram hat Kreativen, kleinen Marken und Medien neue Reichweiten ermöglicht und viele haben dort Communitys aufgebaut, Kunden gewonnen oder kulturelle Sichtbarkeit bekommen. Trotzdem überwiegt für mich heute die Ernüchterung. Was einmal mit dem Versprechen begann, Menschen zu verbinden und soziale Nähe digital zu ermöglichen, hat sich über die Jahre zu einem hochgradig monetarisierten Aufmerksamkeitssystem entwickelt. Instagram ist heute eine der effizientesten Werbeplattformen überhaupt und damit vor allem eine Gelddruckmaschine für den Konzern Meta. Skandale wie Cambridge Analytica haben gezeigt, wie fragil der Umgang mit Nutzerdaten in diesen Plattformen ist und wie groß die gesellschaftlichen Implikationen sein können. Dazu kommen massive Veränderungen im Nutzungsverhalten, die eng mit den Designlogiken dieser Plattformen verbunden sind: Endlose Feeds, Doomscrolling, Smartphone Sucht und Cybermobbing lassen sich natürlich nicht allein Facebook, Instagram oder Meta zuschreiben. Aber diese Plattformen haben Mechaniken geprägt und perfektioniert, die unseren Medienkonsum massiv verändert haben. Am Ende bleibt für mich die Frage, ob der gesellschaftliche Gesamteffekt dieser Plattformen wirklich positiv ist. Und da haben wir noch nicht mal darüber gesprochen, wie Zuckerberg & Co Donald Trump und MAGA unterstützen... Beispiel SpotifyEndlich konnte man legal Musik streamen, ohne sie kaufen zu müssen. Was ein Durchbruch. Und ohne Frage: Spotify hat die Musikbranche revolutioniert und den Zugang zu Musik radikal vereinfacht. Aber nach Jahren der Euphorie, sehe ich Spotify zunehmend kritisch (obwohl es leider immer noch mein Streaming Service der Wahl ist): Lächerlich niedrige Einnahmen der Musiker*innen pro Stream (sehr empfehlenswert das kürzlich veröffentliche Video von LGoony zu dem Thema) bei gleichzeitig immer höheren Abo-Preisen, unzureichende Kontrolle von AI generierter Songs, massive Manipulation von "Charts" durch Bots,... Warum das für die OMR relevant istGenau deshalb fällt es mir schwer, viele dieser Unternehmen heute noch einfach als inspirierende Bühnenpartner oder Zukunftserzähler zu sehen. Natürlich gehören große Tech Unternehmen zu einer Veranstaltung wie der OMR. Sie prägen die Branche, die Geschäftsmodelle, das Marketing und unseren digitalen Alltag. Aber gerade deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht, ihnen nur große Bühnen zu geben. Es braucht mehr Einordnung, mehr Widerspruch und mehr kritische Perspektiven. Nicht aus Prinzip dagegen und nicht als moralische Pose, sondern weil diese Unternehmen zu wichtig geworden sind, um sie nur durch ihre eigene PR Brille zu betrachten. Das gleiche gilt übrigens auch für die zahlreichen Influencer*innen, denen OMR in den letzten Jahren eine Bühne bot (wie einem Knossi, s. Fanblast), ganz gleich ob dieser "Influence" jetzt positiv oder doch negativ war. Hauptsache Growth, Kooperationen, Geld. AI als nächste große Hype ThemaUnd natürlich ist AI jetzt die nächste große Welle, die geritten wird und das Programm dominiert. Auch hier sehe ich wieder diese bekannte Dynamik aus Euphorie, großen Versprechen und sehr viel Zukunftssound. Das ist nicht per se falsch. AI verändert bereits jetzt Arbeitsprozesse, Geschäftsmodelle und kreative Arbeit. Spoiler: Ich nutze es ja teilweise selbst, wie ihr am Ende dieses Textes sehen werdet. Aber gerade weil diese Technologie so relevant ist, braucht sie nicht weniger Kritik, sondern mehr. Was passiert mit Arbeit? Was passiert mit Urheberrechten? Was passiert mit Wissen, Macht und Abhängigkeiten? Und was passiert, wenn ein paar wenige Unternehmen die Infrastruktur für sehr viele andere stellen? Das sind keine Randfragen, sondern zentrale Fragen.
Mehr Reibung, bitte
Beyond the AI hype: Wo wir wirklich stehen und was uns erwartet (2025) Umso interessanter finde ich, dass die Vorträge von Philipp Klöckner in den letzten Jahren so viel Resonanz bekommen haben. Ich selber bin großer Fan seines Doppelgänger Podcasts und auch seiner Vorträge: Keine reine Hype-Verstärkung, aber auch keine Ablehnung aus Reflex, sondern eine ausgewogene und manchmal unbequeme Auseinandersetzung mit den Entwicklungen der Branche. Genau solche Stimmen braucht es aus meiner Sicht mehr. Als fester Bestandteil des Programms, nicht als Gegenpol. Wenn OMR langfristig mehr sein will als ein sehr gut produziertes PR- und Bühnenformat für große Technologiekonzerne, braucht es genau diese Haltung. Mehr Einordnung, mehr Reibung und eine klarere eigene Perspektive. Gerne weiterhin Party und Festival aber eben auch inhaltliche Tiefe und kritische Auseinandersetzung . TransparenzDieser Beitrag ist diese Woche als kleiner Test mit Unterstützung von ChatGPT entstanden. Ich wollte mal ausprobieren, wie gut das funktioniert. Ich habe meine Gedanken eingesprochen, transkribieren lassen und anschließend gemeinsam mit dem Modell strukturiert, redaktionell aufgearbeitet und sprachlich verdichtet. An sich alles ganz gut, besonders die Transkription. Ich schreibe diesen Newsletter ja aber auch, um an meinen Schreibskills zu arbeiten - das fällt ein Stück weit weg. [ChatGPT schlägt mir jetzt noch diesen Absatz vor:] Vielleicht passt genau das ganz gut zu diesem Text: Ich kritisiere den Hype um neue Technologien und nutze gleichzeitig selbst eine davon, um diesen Newsletter zu schreiben. Auch das ist ambivalent. Und wahrscheinlich ist genau diese Ambivalenz der Punkt. [WOW!] Naja, was denkt ihr zur OMR? Seht ihr das ähnlich wie ich? Unterschätze ich, wie viel kritische Auseinandersetzung auf der OMR inzwischen schon stattfindet? Ich freue mich sehr über eure Rückmeldungen! Martin |